Prof. Dr. Jörg Knoll

* 1943 - † 2012

Jörg Knoll war von 1993 bis 2008 Inhaber des Lehrstuhl für Erwachsenenpädagogik an der Universität Leipzig. Im Jahre 2002 gründete er mit dessen Mitgliedern, Freunden und Förderern das LIWF, um dem Dialog zwischen Forschung und Praxis den nötigen Raum zu geben. Die zahlreichen Projekte der darauf folgenden Jahre spiegeln die starke Verankerung seines Lehrstuhls in der Leipziger Bildungslandschaft wider. Jörg Knoll hat das Institut von Anfang an geführt. Im Jahre 2013 wählten ihn die Mitglieder des LIWF posthum zum Ehrenvorsitzenden.

Jörg Knoll hat es verstanden, in seiner Arbeit und durch sein Auftreten eine zutiefst dem einzelnen Menschen zugewandte Pädagogik und das damit verbundene Verständnis von Bildung zu transportieren. Begegnungen mit ihm wirken auch nach seinem Tod. Gerade durch seine besondere Fähigkeit, Menschen miteinander zu vernetzen und Begegnungsräume zu schaffen, ist er bis heute nicht nur vielen Leipziger Erwachsenenpädagog(inn)en und Weiterbildner(innen) ein Vorbild.  

 

Nachruf von Frau Prof. Dr. Gisela Wiesner

Am 15. September 2012 verstarb Prof. Dr. Jörg Knoll. Wohl wissend um seine nicht zu besiegende schwere Krankheit nahm er bis zuletzt am wissenschaftlichen Leben teil und förderte die ihm anvertrauten Doktoranden, Studierenden sowie in unterschiedlichen Bereichen tätigen Erwachsenenbildner/-innen.

Jörg Knoll war von 1993 bis zu seiner Emeritierung 2008 Professor für Erwachsenenbildung an der Universität Leipzig mit den Schwerpunkten Erwachsenendidaktik, selbstorganisiertes Lernen, Lernende Regionen/Bürgerbeteiligung sowie Qualitätsmanagement. Als studierter Theologe und Soziologe hatte er zuvor diverse berufliche Stationen an Hochschulen und in der Evangelischen Erwachsenenbildung durchlaufen.

Für das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) war Jörg Knoll ein wichtiger Projektpartner und Autor, und er prägte die Reihe „Perspektive Praxis“ als Mitglied des Herausgeberbeirats. Auch mit meiner Dresdener Professur für Erwachsenenbildung/Berufliche Weiterbildung pflegte Jörg Knoll eine enge wissenschaftliche und bildungspolitische Zusammenarbeit: Ein Lehraustausch war Startpunkt für einen fruchtbaren Disput über Lehr-und Lernqualität. Das gemeinsame Interesse an Qualität von Erwachsenenbildungsarbeit führte uns im Rahmen mehrerer (vom Freistaat Sachsen bzw. dem BMBF geförderter) Forschungsarbeiten zusammen, in deren Rahmen ein Qualitätsmanagementsystem QES entwickelt wurde, das auf verstärkte Selbstevaluation von Weiterbildungseinrichtungen gerichtet war. Dieses wurde Zug um Zug weiterentwickelt zum zertifizierungsfähigen Qualitätsmanagementsystem QESplus, das in der Folge durch sächsische und auch bayrische Einrichtungen genutzt wurde.

Jörg Knoll hat regional, national, aber auch international deutliche Zeichen einer Weiterentwicklung erwachsenenpädagogischer Lehre und Forschung gesetzt und sich auch in bildungspolitischen Fragen konstruktiv eingemischt. Mit seiner stringenten wissenschaftlichen Haltung, begleitet von hoher Sensibilität und persönlicher Integrität, wird Jörg Knoll uns im Gedächtnis bleiben.

Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Magazins DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung und erschien erstmals in der Ausgabe 20. Jg. II/2013